Ein klar definiertes Ziel gibt dem Protagonisten und dem Plot Struktur. Ein Leser, der weiß, was der Protagonist will, kann mit ihm fühlen und interessiert sich dafür, wie er in seinem Streben nach dem Ziel vorankommt. Ein klares Ziel führt dazu, dass der Leser sich fragt: Wird der Protagonist sein Ziel erreichen oder nicht?

Ein Protagonist kann sich beispielsweise wie in Raymond Carvers Kurzgeschichte „Kathedrale“ als Ziel setzen, dass er so schnell wie möglich zu seinem isolierten Kifferalltag zurückkehren kann. Wir Schriftsteller entwickeln darüberhinaus ein abstraktes Ziel, das sich der Protagonist gar nicht eingestehen will,  und dieses kann genau das Gegenteil sein; für Carvers Protagonisten bedeutet das also, wieder eine Verbindung zu seinen Mitmenschen aufzubauen. Ein konkretes Ziel zu Beginn gibt dem Leser Halt, ein abstraktes Ziel erweckt die Hoffnung, dass er etwas für sein eigenes Leben lernen kann. 

Um einer Geschichte Tiefe zu geben, muss der Protagonist eine entscheidende Transformation erleben. Er darf am Ende nicht mehr derjenige sein, der er am Anfang der Geschichte war. Ein Charakter, der Schwächen birgt, hilft dabei, weil er in der Geschichte mit seinen Schwächen konfrontiert wird und diese überwinden muss, um sein Ziel zu erreichen. Die Schwächen Ihres Charakters dürfen natürlich nicht grundlos sein. Sie haben ihren Ursprung in der persönlichen Geschichte des Protagonisten. Nach der Krise wird dem Protagonisten seine spezifische Schwäche klar und er begibt sich auf den Weg, daran zu arbeiten.

Ein Protagonist kann viele Schwächen haben: Jähzorn, Streitsucht, Passivität, er kann sich immer als Opfer sehen und die Eigenverantwortung verweigern, er kann lügen und betrügen, er kann stur sein, sich immer im Recht sehen, immer alles perfekt machen wollen, immer wieder alles aufschieben wollen, immer alles sofort verurteilen. Versuchen Sie herauszufinden, was genau die Schwäche Ihrer Protagonisten ist und was er will. Es zeigt dem Leser gleich am Anfang, um was für eine Person es geht und wonach diese Person strebt. Am Ende der Geschichte hat diese Person eine entscheidende Veränderung gemacht. Um diese Veränderung in ihrem gesamten Ausmaß zu erkennen, muss der Leser wissen, was der Ausgangspunkt war.

Natürlich gibt es große Beispiele aus der Literatur, bei denen der Protagonist bis zum Schluss blind bleibt;  Hamlet und Richard Fords Der Sportreporter sollte man allein schon aus diesem Grund genauer studieren, auch wenn man sich überlegt, welche Wirkung das Ende einer Geschichte auf den Leser haben soll. Für einen Protagonisten, der sich derart dagegen sträubt, seine Fehler und Schwächen zu erkennen, sollte sich die Lage zunehmend verschlechtern und in der absoluten Leere enden, genauso wie bei Hamlet.